Ausverkauf eines Künstlers und Menschen.

Seit mehreren Wochen laufen nun diese unsäglichen Media Markt-Werbespots. Hauptwiedererkennungsbestandteil ist der kurze musikalische Einspieler des Liedes „König von Deutschland“ von Rio Reiser, nur mit stumpf-platten Werbetexten.
Wie hier schon erinnert, war Rio Reiser ein besonderer Mensch, der mit seiner Art und seinem Charisma viele Leute beeinflusst hat, gerade auch mit seiner Musik und seiner kompromisslosen Art sich zu Dingen zu äußern, seine Meinung zu vertreten.

Nun haben Sony Music Group und die Erbengemeinschaft — die zusammen die musikalischen Rechte besitzen — entschieden, dem Media Markt entgeltlich Nutzungsrechte an der Musik Rios zur Verfügung zu stellen. So kommt es nun zu diesen unsäglichen Werbespots.
Nicht ganz ohne Sarkasmus mag da bleiben, dass der Media Markt ein Bestandteil der Media-Saturn-Holding GmbH, die in dem Konglomerat Metro AG aufgegangen sind, genau das ist, wogegen sich Rio immer verwahrt hat, wogegen er gekämpft hat und wovor er gewarnt hat. Sei es nun musikalisch mit den »Ton Steine Scherben«, sei es in Interviews oder Statements.
Wirklich bitter wird es aber, wenn man sich die Biographie des Metro Konzern Gründers Otto Beisheim anschaut. Beisheim, geboren 3. Januar 1924, ist zwischen 1941 und 1945 in der 1. SS-Panzerdivision Leibstandarte Adolf Hitler gewesen, Auskünften des Bundesarchivs und anderer Behörden belegen diese Tatsachen, auch Erich Greipl, Vorsitzender der Otto-Beisheim-Stiftung, bestätigte dieses Mitte November 2005. Zwar „nur“ im Rang eines Gefreiten und auch von den Briten in einem Gefangenenlager entnazifiziert, öffentlich hat sich Beisheim aber nie zu diesem Teil seiner Vergangenheit geäußert, keine Reue gezeigt.

Diese Tatsache lässt den Ausverkauf Rios musikalischer Hinterlassenschaft schon zynisch erscheinen, denn ein lebender Rio hätte nie und unter keinen Umständen solch einem Kuhhandel zugestimmt. Um so trauriger stimmt es, dass ihm posthum nun eine zweifelhaft musikalische Würdigung zuteil wird, gegen die er sich mit Sicherheit verwehren würde. Schlimm genug, dass der Song „König von Deutschland “ schon auf unzähligen dieser „Aprés-Feten-Komasaufen-Dumpfheit-ausleben-mach-mich-blöd-ich-bin-blöd“ Samplern ist, in dem Zusammenhang von Media Markt und Metrogründer bekommt es noch mal eine ganz andere Konnotation. Und den Menschen, die Rio nicht mehr bewusst erleben konnten, wird dieses Lied als „Ach-der-Song-den-sie-von-der-Ich-bin-doch-nicht-blöd-Werbung-abgeleitet-haben“ im Gedächtnis bleiben.

Deutschland, so gehst du mit deinen Künstlern und ihren Werken um.