Mittlerweile gibt es unzählige Seiten, die mit einem vermeintlich kostenlosen Angebot locken, um dann den unbedarften Anwender das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Systematik ist immer eine ähnliche. Der potenzielle Kunde wird mit einem vermeintlichen Freiangebot gelockt, sei es in Form einer kostenfreien Dienstleistung oder eines Gewinnspiels.
Gemeinsam haben diese Seite eine relativ gleiche gestalterische Aufmachung, so dass es sich nach ein-, zweimal leicht erkennen lässt, ob man sich auf einer dieser entsprechenden Seiten befindet.
Inhaltlich drehen sich die Seiten um Kochrezepte, Gedichte, Routenplaner, Lebenserwartung, Namenforschung, freie SMS übers Internet, IQ-Vergleiche u.ä.

Der Kunde muss hier, um das Angebot in Anspruch nehmen zu können, seine Daten hinterlegen, die natürlich privater Natur sind, also die E-Mailadresse, sowie Name und Anschrift. Und hier sei schon aufgemerkt. Als geneigter Internetbenutzer fragt man sich, warum man seine privaten Daten angeben soll. Normalerweise klingelt das Alarmglöckchen. Entweder die Daten werden für jedwede Form der Rückverfolgung benutzt, oder aber die Daten werden gesammelt, so dass eine Datenbank, die aus der Sammlung unzähliger privater Datenbestände besteht, verkauft werden kann — hier sei der Oberbegriff Datamining erwähnt. Wenn man also nicht ganz unbedarft an die Sache herangeht, dann wird man hier schon wachsam und schaut sich das Umsonstangebot näher an.
Und dann wird man entdecken, dass bei weiterem Herunterscrollen Kleingedrucktes auftaucht. Oder ein Verweis auf die AGB. Dort ist dann eine Passage enthalten, dass mit Klicken des Registrierungsbutton ein gültiger Vertrag mit dem entsprechenden Anbieter eingegangen wird, der — oh Wunder — mit Kosten verbunden ist. Diese schwanken je nach Seite zwischen ca. 30 bis 100 EUR. Diese Abo-Abzockerei nimmt mittlerweile immer stärkere Ausmaße an, teilweise gibt es befreundete Seiten, die per Javascript und Pop-Up für die entsprechenden Seiten werben.
Möglicherweise ist man aber auf eine solche Bauernfängerei reingefallen und sagt sich, tja dumm gelaufen, denn in den meisten Fällen sieht man diese Informationen nicht vor Klicken des Buttons ein, oder aber es kommt zu keiner Kenntnisnahme — weil man die AGB nicht liest, was soll denn schon Überraschendes enthalten sein, bei einem kostenlosen Angebot.

So, und nun ist man an dem Punkt, dass man sich registriert hat und das Unglück nimmt seinen Lauf. Im Normalfall nimmt man nun die angeboten Leistung in Anspruch. Kurze Zeit später wundert man sich, dass man eine E-Mail erhält, die eine Erinnerung zum Bezahlen einer Rechnung enthält — ungefähr in Form von

Sehr geehrte/r Herr/Frau Schuldner, 

Sie haben unsere Dienstleistung auf www.Abzock-Masche(punkt)de bestellt, aber die offene Forderung noch nicht beglichen.

Durch die Auslösung über Ihre E-Mail- und IP-Adresse ist die Bestellung eindeutig nachweisbar.

Da Sie durch die Anmeldung einen rechtsgültigen Vertrag mit uns eingegangen sind, erhalten Sie diese offizielle Mahnung.

Teilnahme an Abzock-Masche 30 Euro    
Verzugspauschale/Mahnkosten 3 Euro
———————————————————–    
Zahlungsbetrag 33 Euro
(Ohne Abzug sofort zahlbar)

Zur Erläuterung:
Beachten Sie bitte die von Ihnen akzeptierten AGB. Dort heißt es: “Der
einmalige Preis für die Teilnahme an Abzock-Masche.de beträgt 30 Euro. Die
Mehrwertsteuer ist in diesem Betrag enthalten. Über diesen Betrag wird
dem Teilnehmer eine Rechnung zugesandt. Der Rechnungsbetrag ist
vorbehaltlich der Ausübung des Widerrufsrechts des Teilnehmers nach
Vertragsschluss und nach Bereitstellungs der Zugangsdaten zum Abzock-Test
fällig.” Mit Zugang dieser Mahnung befinden Sie sich gem. §§ 286ff. BGB
im Verzug. Uns steht nunmehr die Erhebung der Klage auf die Leistung
sowie die Zustellung eines Mahnbescheids im Mahnverfahren zu. Sollten
Sie die oben genannte Forderung nicht bis zum 15.06.2006 begleichen, sind Sie
daher auch zur Zahlung der Verzugskosten verpflichtet. Haben Sie bitte
Verständnis dafür, dass wir auch betriebswirtschaftlich rationell
handeln müssen.

Bitte nehmen Sie diese Mahnung ernst, es ist der einzige Weg, der Sie vor hohen Inkasso- und Anwaltsgebühren durch unser Inkassounternehmen und unsere Anwaltskanzlei bewahrt.
Führen Sie daher die Überweisung umgehend durch, um zusätzliche Kosten zu vermeiden.
   
Kontoinhaber:
Kontonummer:
Bankleitzahl:
Bankinstitut:
Verwendungszweck:

Im Mailanhang finden Sie nochmals die Mahnung im PDF-Format.

Hochachtungsvoll

Ihr Abzock-Masche(punkt)de-Team

[…]

Das ist jetzt exemplarisch, so oder so ähnlich sehen die Inhalte der E-Mails aus. Nun steht man vor der Entscheidung, den geforderten Betrag zu bezahlen oder einen anderen Weg zu beschreiten. Doch was kann man machen? Es gibt nun unterschiedliche Ansätze.

Gemein ist, dass die Forderungen ungerechtfertigt sind und die Masche darauf abzielt, dem ängstlichen Benutzer das Geld aus der Tasche zu ziehen, weil dieser sich in der Materie nicht zurechtfindet und auch der Peinlichkeitsfaktor eine Rolle spielt, man will sich unter Umständen nicht bloßstellen (lassen).

Einer ist, auf die Forderung gar nicht zu reagieren, denn nach der Meinung der Vertreter dieses Ansatzes ist kein (rechts)gültiger Vertrag zu Stande gekommen, warum sollte man also reagieren. Hier ist der Ratschlag, die Schreiben zu ignorieren, denn spätestens, wenn die Inkassoschreiben ins Leere laufen, wird der Betreiber die Mühen und Kosten scheuen, ein gerichtliches Mahnverfahren anzustreben, denn dieses ist für den Betreiber mit erheblichen Kosten verbunden, zumal es auf eine eventuelle Klage hinausläuft, deren positiver Ausgang für den Anbieter der Dienstleistung mehr als fraglich ist.

Auch wenn diese Vorgehensweise durchaus seine Berechtigung hat, stelle ich eine zweiten Lösungsweg dagegen. Und dieser ist, der Sache durch einen schriftlichen Widerspruch zu begegnen. Mitunter kommen nämlich von den Betreibern auch E-Mails, in denen bemerkt wird, dass durch Zugang einer vorigen E-Mail (bei der aber fragwürdig ist, ob diese überhaupt verschickt wurde) eine Einwilligung des Kunden zum Vertragsschluss vorläge, soweit keine gegenteilige Verlautbarung des Kunden innerhalb einer bestimmten Frist erfolgt ist.
Generell ist es also klüger einen schriftlichen Widerspruch gegen jeglichen Form eines Vertragsschlusses einzulegen, denn falls es doch mal zu dem seltenen Fall einer Verhandlung vor Gericht kommen sollte, wird man sich immer die Frage gefallen lassen müssen, warum man denn, trotz des Wissens, dass es sich um einen anfechtbaren Vertrag handle, diesem nicht widersprochen hat.
Um also auf der absolut sicheren Seite zu sein, sollte man also diesen Widerspruch schriftlich niederlegen und per Einschreiben oder Einschreiben mit Rückschein diesen dem Vertragspartner zukommen lassen. Manchmal hilft es schon eine E-Mail an die Adresse des Betreibers zu schicken, denn wenn eine (automatisierte) Antwort auf diesen Widerspruch kommt, gilt der Widerspruch auch als »in den Machtbereich des Empfängers gelangt«. Sicherer ist aber auf jeden Fall die briefliche Form.
Hier nur kurz angerissen, ein Widerspruch lässt sich mit den §§ 119 Absatz 1, 1. Alternative BGB (Inhaltsirrtum) und 119 Absatz 1, 2. Alternative BGB (Erklärungsirrtum) begründen. Ferner kann man auch den § 123 Absatz 1 (Arglistige Täuschung) als Anfechtungsgrundlage nehmen. Eine dritte Möglichkeit ist die Anfechtung über den § 305 c Absatz 1 BGB (Überraschende und mehrdeutige Klauseln).
Weiteres und vor allen Dingen Genaueres lässt sich auf den Seiten von verschiedenen Verbraucherschutzorganisationen erfragen. Dort gibt es schon etliche Diskussionsfäden, die sich mit dem Thema befassen.
Abschließend zum Thema Widerspruch sei gesagt, dass es immer besser ist, lieber eine Option zu viel zu wählen und diese auszuführen, als im Nachhinein möglicherweise einen Nachteil zu haben, weil man sich schon auf der sicheren Seite wähnte.

Mittlerweile gibt es auch eine erste öffentlich zugängliche Entscheidung des Amtsgerichts München zu diesem Themengebiet. Hier (PDF-Link) findet sich die Presseerklärung des Amtsgericht zu dem Fall, in der unter Anderem steht:

Versteckt sich die Zahlungspflicht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, kann diese Klausel ungewöhnlich und überraschend und damit unwirksam sein, wenn nach dem Erscheinungsbild der Website mit einer kostenpflichtigen Leistung nicht gerechnet werden musste.

Das Urteil des AG München vom 16.1.07 kann man unter dem Aktenzeichen AZ 161 C 23695/06 nachlesen.

So ist zwar eine Richtung in der Thematik vorgeben, aber diese Entscheidung des Gerichts ist für andere Verfahren nicht verbindlich. Es kann also gut möglich sein, dass an anderen Gerichten anders geurteilt wird. Und solange es noch keine höchstrichterliche Entscheidung hierzu vorliegt, befindet sich das Ganze in einer Art Schwebezustand.

Nachtrag:
Die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. hat auf ihren Seiten ein PDF hinterlegt, das alle momentan bekannten Abzockseiten auflistet.