stand up for your rights. In diesem Fall war es aber das Sitzenbleiben. Und zwar vor genau 50 Jahren. In Montgomery, Alabama. Die vor Kurzem verstorbene Rosa Parks (*4. Februar 1913, † 24. Oktober 2005) hatte es nach eigenen Aussagen „einfach nur satt, sich zu fügen“. Sie blieb an jenem Tag sitzen. Sie stand nicht wie die drei anderen Farbigen ihrer Sitzreihe auf, um sich wie gefordert nach hinten zu setzen, damit ein stehender Weißer sich setzen konnte. Auch nicht unter Androhung von Sanktionen. Nein, sie wurde in diesem Moment Speerspitze der Antidiskriminierungsbewegung in den USA, ohne dass dies der Antrieb ihres „Ungehorsams“ gewesen wäre.
Nach der antikommunistischen Hysterie der „McCarthy Ära“, während der zahlreiche liberale Kräfte gnadenlos verfolgt und sowohl aus ihren Ämtern getrieben und vor den Kongressausschuss „für unamerikanische Aktivitäten“ gezerrt worden waren, steigerten sich die konservativen Kräfte in strikte Beibehaltung der Rassentrennung. Zwar errang die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) 1954 einen wichtigen Sieg vor dem Obersten Gericht, dass die Rassentrennung in der Schule aufhob, aber in vielen Staaten des amerikanischen Süden wurde dieses Urteil nicht umgesetzt.

Rosa Parks

Rassentrennung. Herrührend von den weißen Bestrebungen imperialistischer und rassischer Machtbesessenheit, 250 Jahre Sklaverei, Farbige als Lastvieh nicht als Menschen. Nach dem Gesetz genossen sie keine Bürgerrechte, obwohl die Unabhängigkeitserklärung von 1776 jedem „das Recht auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück“ (Life, Liberty & the Pursuit of Happiness) versprochen wurde. 1787 wird in der amerikanischen Verfassung festgesetzt, dass die Einfuhr von Sklaven weiter bestehen bleibt. Erst 1863 werden die Farbigen unter dem Licht Schatten des Bürgerkriegs von der Sklaverei befreit. Aber es musste noch fast 100 Jahre vergehen, bis die Verhärtung in den Köpfen der weißen Mehrheit aufkrustete. Der New Yorker Stadtrat meinte „Als Rosa Parks sitzen blieb, standen die Schwarzen auf.“ In den folgenden 12 Monaten boykottierte die Mehrheit der farbigen Bevölkerung in Montgomery die Busse und errangen schließlich 1956 einen großen Erfolg. Das Oberste Gericht entscheid, dass die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln verfassungswidrig sei. Das war der Stein, der die Muräne losbrechen ließ. Die Bewegung, angeführt durch ihre bedeutenden Sprachrohre Martin L. King und Malcom X, erreichte mit ihrer Form des gewaltfreien sozialen Ungehorsams, dass immer mehr ihrer Wünsche und Forderungen durchgesetzt wurden. Aufhebung der Rassentrennung in allen öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Restaurant etc. Das weiße Volk und die Polizei, schockiert von den gesellschaftlichen Entwicklungen, versuchten mit völlig übermäßiger Härte und Gewalt die Farbigen zur Räson zu bringen. Doch der amerikanischen Öffentlichkeit wurden die in die Welt hinausgetragenen rassistischen Übergriffe der Polizei zunehmend peinlich.
Malcom X sah das Problem darin, dass die die amerikanische Regierung gegen die Charta der Vereinten Nationen verstieß, da sie die Farbigen nicht als Menschen achete. Auf Unterstützung von Entwicklungsländern und sozialistischen Staaten hoffend wollte er das Problem auf die Tagesordnung der UNO-Volksversammlung setzen lassen. Dies rief große im Außen- und Justizministerium hervor, da man sich schon in einer Linie mit den „Schurkenstaaten“ sah. Am 21. Februar 1965 wurde Malcom X ermordet. Zwar entwickelte die Bewegung unter Martin L. King immer weiter ein politisches Bewusstsein das über die Rassentrennung hinausging und an die bessere Verteilung von Reichtum knüpfte, doch wurden mit Eintritt der USA in den Vietanmkrieg, diese zarte Pflänzchen des gesellschaftlichen Umbruchs erstickt. Mit dieser Situation und der daraus resultierenden Einsicht sagte Martin L. King: „So wurde ich immer mehr gezwungen den Krieg als den Feind der Armen anzusehen und diesen Feind zu bekämpfen.“

Auch wenn heute die gesetzlichen Grundlagen für eine Rassentrennung nicht mehr vorhanden sind, so ist die Rassentrennung sehr wohl noch in vielen Köpfen vorhanden. Die Farbigen werden im amerikanischen System oft genug systematisch ausgegrenzt. Klein gehalten. Stumm gemacht. Die Geschichte der Farbigen in der heutigen Zeit ist ein weiteres trauriges Kapitel. Gesteckt in die verrottenden Gebäude der enturbanisierten Innenstädte, abgegrenzt und kleingehalten. Wundert es, dass die vorgelebte Gewalt und Unterdrückung ihre Kanäle sucht. Dass sich die Farbigen missverstanden fühlen, dass ihnen keiner Gehör schenkt. Das nach Katastrophen wie der des Hurrikan Katrina erst die weiße Bevölkerung versorgt wird und für die Farbigen die Krümel des Kuchens der „generösen“ Hilfe das ist, was bewusst übrig gelassen wird. Dass die Farbigen durch Gewalt, mangelnder Bildung, Drogen die Bobbahn der Unterprivilegierung immer rasanter hinabfahren. Dass es Quotenfarbige gibt. Aber was ist mit diesen? Erinnern sie sich noch an ihre Wurzel, woher sie kommen? Wenige. Glücklich dem Strudel der Trostlosigkeit und der Sackgasse der gelittenen Zukunft entkommen zu sein. „We are all brothers, man“, aber nur auf dem sozialen und gesellschaftlichen Level auf dem man sich bewegt. Der Farbigen Bewegung fehlt es an den Sternbildern ihrer eigenen Selbstidentität. Fehlschlagende Identifizierung, verzerrte Ideale, moralische Fehlorientierung, die fehlende Selbstachtung.
Wir werden erst unsere eigenen Grenzen überwinden können, wenn sich der Blick auf den Horizont der Menschlichkeit richtet und wir sehen werden, dass wir alle eins sind – nämlich Geschwister.