Das Volk ist von einer weiteren Geißel rechter Gesinnung, in Persona Franz Schönhubers, erlöst worden. Der Mitgründer der rechtsextremen Partei »Die Republikaner« starb in der Nacht zum Sonntag in seinem Wohnort am Tegernsee an einer Lungenembolie, die er auf Grund einer verschleppten Lungenentzündung erlitt.
Seine letzte große demokratische Tat war die Kandidatur bei den Bundestagswahlen 2005 im Wahlkreis 160, Dresden I, für die NPD. Nachdem die dort aufgestellten Kandidatin Kerstin Lorenz kurz vor den Bundestagswahlen verstarb, übernahm Schönhuber die Kandidatur, erreichte aber nur 2,4% bei den Stimmenauszählungen.

Nach Abitur und Eintritt in die Hitlerjugend und NSDAP meldete Schönhuber sich freiwillig zur Waffen SS, so wie es sich für einen ordentlichen Volksdeutschen gehörte.
Nach dem Kriegsende von den Alliierten im Zuge der Entnazifizierung als Mitläufer abgestempelt, begann sein Aufstieg als Journalist bei so arrivierten Zeitungen wie »Münchner Abendzeitung« oder »Deutsche Woche« und später als Chefredakteur bei der »tz«. Ein Werdegang, den man im eher links-liberal geprägten Bayern so nicht erwarten würde. Nächste Stationen waren der Bayrische Rundfunk, in dem er später auch die Position des stellvertretender Chefredakteurs des Bayrischen Fernsehens inne hatte.
1975 bis 1981 war er Vorsitzender des Bayerischen Journalisten-Verbandes und zeitweilig Mitglied des Deutschen Presserates. Seine Karriere bekam Brüche, als er 1981 seine Biographie »Ich war dabei« veröffentlichte. Vom Vorwurf der Verharmlosung des NS-Regimes wurde er durch das Urteil des Münchener Landgerichts freigesprochen, aber er musste Ämter und Sendungen abgeben.
1983 gründete Schönhuber mit den erst kurz vorher aus der CSU ausgetretenen Bundestagsabgeordneten Franz Handlos und Ekkehard Voigt die rechtsgerichtete Partei »Die Republikaner«, deren stellvertretender Vorsitzender er wurde. Durch Wahlerfolge auf Landtagsebene wurde Schönhuber von 1989–1994 Europaabgeordneter der Republikaner. Schlechtere Ergebnisse führten dann zu innerparteilichen Zerwürfnissen, so dass er später nicht mehr als Bundesvorsitzender antrat.
Nach dieser Periode, ab 1994, wurden seine rechtsextremen Tendenzen immer deutlicher und nahmen wesentlich strukturiertere Formen an. Sein mit Horst Mahler veröffentlichtes Buch »Schluss mit dem deutschen Selbsthass« trägt die deutliche Handschrift eines immer radikaler werdenden „Wertestabilen“ Gestrigdenkenden.

Das Bedenkliche an diesen Tatsachen ist nicht, dass es solche Menschen gibt. Es muss sie geben. Eine Gesellschaft ohne Extreme wird ihr eigener Untergang sein, da sie die eigene Weiterentwicklung größtenteils verhindern wird. Auch kann man Menschen wie Schönhuber ihr Weltbild und ihre Sicht nicht vorwerfen, da die Nussschale, die ihren Horizont darstellt, so schön gutbürgerlich gewärmt ist. Fremdheit als Angriff auf das „Eiche rustikal“-Wohnzimmer der eigenen kulturellen Beschränktheit. Reduktion der Gesellschaft auf ihre StaatsStammeswurzeln. Das Volk als herbeigesehnter Inzestpool.
Aber eine Demokratie muss auch mit denen umgehen können, die gegen die Demokratie sind. Es sind Parteien, die aus dem Volk entstehen. Parteien, die vom Volk gewählt werden. Das Volk ist nun mal der Souverän in der Demokratie und steht am Anfang der Legitimationskette. Man kann, soll und darf solche Parteien und ihre Organe nicht verbieten, so lange sie sich innerhalb der Schranken der Rechtsstaatlichkeit bewegen. So lange nämlich sind sie ein Teil (wenn auch zum Glück Bruchteil) der öffentlichen Meinung und Einstellung. Dieser Splitter im heilen Fleisch der Aufgeschlossenheit und Toleranz wird hoffentlich irgendwann herauswachsen. Ein Verbot solcher Parteien wäre aber gegenüber dem Volk, als ob man einem Kleinkind verbietet, auf die Herdplatte zu fassen, da es sich verletzen könne, das Kind will aber partout nicht gehorchen, also baut man die Herdplatte aus und entsorgt sie ordnungsgemäß. Damit erzielt man keine Einsicht, man entfernt nur eine Gefahrenquelle. Das Potential bleibt.